Geschichte Alerheim
Das Dorf Alerheim mit rund 1000 Einwohnern ist der namensgebende Hauptort der Gemeinde Alerheim und Sitz des Bürgermeisters. Zu Alerheim gehören noch der Weiler Schloss Alerheim und die Wennenmühle. Die Wennenmühle, einst eine Getreidemühle, ist heute ein Elektrizitätswerk und bedeutender Stromversorger für die Umgebung.
Das Dorf am Fuße des Wennenberges hat neben einer aktiven Landwirtschaft zahlreiche Gewerbebetriebe, außerdem ärztliche Versorgung, Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule, einen Dorfladen sowie ein reges Vereinsleben.
Wann erste Menschen die heutige Dorfflur betreten haben könnten, lässt sich bisher nicht belegen. Die ältesten bisher gefundenen menschlichen Artefakte aus dem Ries sind Fauskeile des Neandertalers und stammen aus den Gemarkungen von Großsorheim und Enkingen. Diese dürften rund 50-60.000 Jahre alt sein. Auch östlich von Alerheim und bei Wörnitzostheim aufgefundene Steinwerkzeuge der späten Altsteinzeit zeugen von der frühen Anwesenheit des Menschen. Aus nahezu allen weiteren Epochen der Menschheitsgeschichte sind in der näheren Umgebung Funde bekannt. Die strategisch günstigen Anhöhen Schloss- und Wennenberg waren in prähistorischer Zeit besiedelt und wohl schon befestigt. Die günstige Lage, ausreichende Wasserversorgung sowie gute, fruchtbare Böden waren sicher auch Auslöser für eine frühe landwirtschaftliche Nutzung. Alte, vorgeschichtliche Handelswege wurden in Jahrtausenden zu Straßen, einen Höhepunkt erreichte der Ausbau der (heute noch bestehenden) Verkehrsanbindung während der römischen Kaiserzeit: Die alte römische Heerstraße führt zwischen Dorf und Wennenberg in Richtung Munningen (dem römischen Kastell und Zentralort „Losodica“) und weiter zum Limes.
Nach der Eroberung des (römischen) Rieses durch die Alemannen im 3. Jahrhundert wurden diese nach dem Sieg des Frankenkönigs Chlodwig im Jahr 496 in das Frankenreich eingegliedert. Ob zu diesem Zeitpunkt schon eine (alemannische) Ansiedlung, aus der sich das heutige Dorf entwickeln konnte, bestanden hat lässt sich bislang nicht belegen. Jedenfalls befand sich in Alerheim alemannisch-fränkisches Adelsgut, welches im 8. Jh. als Schenkung an das Kloster Fulda kam. Die ältesten schriftlichen Belege über den Ort („villa Alarheim“) sind die Schenkungsurkunden des Klosters Fulda aus dem 9. Jh., welche in einer Abschrift aus dem 12. Jh. überliefert sind. Dieser Besitz ging später an das fuldische Tochterkloster Solnhofen über. Die Probstei Solnhofen (späteres markgräflich-ansbachisches Verwalteramt) hatte mit der Pfarrei Alerheim und dem Meierhof noch einen weiteren Hof, ein Lehen sowie eine stattliche Anzahl an Sölden unter seiner Grundbarkeit. Nahe der Kirche befand sich das solnhofische Amtshaus.
Der größte Teil des Ortes war später im Besitz der Grafen von Oettingen die auch die Landeshoheit ausübten.
Das langgestreckte Dorf Alerheim war früher in das Oberdorf (mit der Pfarrkirche St. Stephan und dem direkt danebenliegenden Meierhof) und das Unterdorf (mit dem weitläufigen Dorfanger) unterteilt. Diese Unterteilung war lange Zeit für viele Aspekte des Dorflebens relevant, z.B. gab es je einen Hirten für das Ober- und das Unterdorf, es gab einen „oberen“ und einen „unteren“ Schmied usw..
Pfarrei und Kirche
Die Pfarrei dürfte um das Jahr 1170/90 vom Benediktinerkloster Solnhofen gegründet worden sein, doch gab es schon längst eine Kirche, wie sie ja bereits in den Traditionen des Klosters Fulda erwähnt wird. Die Mutterkirche Alerheim war nicht zuletzt durch reiche Pfründe eine der begehrtesten Pfarrstellen der Umgebung.
Im Jahre 1539 versammelten sich alle Priester der Grafschaft auf dem Alerheimer Schloss. Alle Anwesenden entschieden sich für die lutherische Lehre. Ziel war es, die evangelische Kirchenordnung nach Ansbachischem Vorbild einzuführen.
Einer der führenden Männer bei der Einführung der Reformation im Oettingischen war der Alerheimer Pfarrer Johann Mendlin.
Bereits Im Jahr 1373 wurde durch Kunrad „dem Sorgen“ eine Frühmesse gestiftet. Das Haus des Frühmessers (auch „Capellan“, später „Diaconus“) stand ehedem hinter dem Pfarrhaus.
Der jeweilige Kaplan hatte auch Wörnitzostheim und Rudelstetten zu versehen, bis diese 1609 zur selbständigen Pfarrei mit Pfarrsitz in Wörnitzostheim wurden. Übrigens kamen die beiden Orte zusammen mit Bühl erst in jüngerer Zeit wieder zur Pfarrei Alerheim zurück.
Spätestens im 9. Jahrhundert wurde an der höchsten Stelle des Dorfes erstmals eine Kirche erbaut. Die heutige Pfarrkirche, in katholischer Zeit dem Heiligen St. Stephanus geweiht, geht auf einen Vorgängerbau zurück, der etwa auf das Jahr 1200 datiert. Die Südmauer verlief in der Mitte, die Länge betrug etwa 2/3 des heutigen Kirchenschiffes. Das Untergeschoss des Turmes wurde um 1400 errichtet, Mitte des 16. Jahrhunderts der Altarraum, gegen 1730 Langhaus und Turmobergeschoss. Im Laufe der Zeit wurden einige Renovierungen durchgeführt, der Kirchenraum hatte bereits im 19. Jahrhundert Teile der einstigen Ausstattung verloren.
Bei der großen Sanierung 1968 – 1970 wurden Grundmauern und Fundamente unterfangen und die Kirche nahezu vollständig umgebaut und erneuert.
Besonders beeindruckend sind die vielen erhaltenen Epitaphien von Pfarrern, (adeligen) Amtsleuten sowie verdienten Alerheimern, die sich in der Kirche und an der Friedhofmauer erhalten haben.
Außer der Stephanskirche im früher stark befestigten Wehrfriedhof, der noch zwei erhaltene Schießscharten aufweist, gab es einst noch zwei Kapellen:
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde im Alerheimer Unterdorf, auf dem Anger durch Graf Wilhelm von Oettingen eine Kapelle erbaut. Diese wurde während der Alerheimer Schlacht zerstört. Später kaufte der Chirurg Kreß die Ruine und errichtete aus den Steinen der Antoniuskapelle ein Wohnhaus.
In der Alerheimer Burg befand sich eine Kapelle, St. Pankratius geweiht. In diese stiftet Graf Ludwig d. J. 1367 eine ewige Messe. Mit der Zerstörung der Burg, im Jahre 1634, endet auch die Geschichte der Burgkapelle.
Das Schloss Alerheim
Den Namen hatte der hochadelige Burgsitz vom (weit älteren) Dorf Alerheim, auch die mutmaßlichen Grafen von Alerheim (gen. 1129) nahmen (wie z. B. auch die Oettinger) den Namen der Siedlung als Familiennamen an.
Die (Staufer-) Burg Alerheim bildete im Ostries das Pendant zu den Burgen Wallerstein (im Westries) und Harburg (im Südries).
Nachdem die Herren von Alerheim (-Auhausen) vor 1229 auf die Lobdeburg bei Jena (sie nennen sich dort noch „Grafen von Alerheim“) abgewandert waren, „legten auf die verlassene Amtsburg Alerheim die Staufer ihre Hand“ (lt. Steichele), denn die Burg beherbergte kurzzeitig einen prominenten Gast: Kaiser Friedrich II. hielt im Jahr 1235 auf Burg Alerheim seinen hochverräterischen Sohn, König Heinrich (VII) gefangen, bevor dieser weiter nach Apulien geführt wurde.
Zur Regierungszeit Kaiser Friedrich II. muss, vielleicht sogar auf dessen Initiative, der imposante, achteckige Bergfried erbaut worden sein, der die Burg wohl jahrhundertelang zu einer markanten Landmarke im Ries werden ließ.
Nach dem Untergang der Staufer war die Burg ab 1298 Eigentum der Edelfreien von Truhendingen. Die Oettinger Grafen hatten größtes Interesse an der Burg, nach 1306 war sie schon durch Kauf deren Eigentum.
Im 13. und 14 Jahrhundert finden sich auch mehrfach adelige Rittergeschlechter (Bebe, Sorge, Stranz, von Stein, …), die wohl als Ministeriale bzw. Burghüter eingesetzt waren und sich teilweise „von Alerheim“ nannten.
Im Jahr 1363 machte Graf Ludwig (X.) von Oettingen die Burg dem Hochstift Eichstätt lehenbar, was auch bis zur Säkularisation so blieb. Ausnahmen waren die Jahre 1444 bis 1484, als die Burg samt Zugehörungen an die Reichsstadt Nördlingen verkauft wurde, sowie die Jahre 1487 bis 1492 als die Erben Ludwigs (XIII.) Burg und Amt an Baiern-Landshut veräußerten.
Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte die alte Stauferburg zur Linie der Oettingen-Oettingen. Diese hatten teilweise auch ihren Wohnsitz auf Schloss Alerheim.
Im August 1634 (vor der Schlacht bei Nördlingen) wurde das Schloss eingenommen und in Brand gesteckt. Auf zeitgenössischen Stichen sind noch gewaltige Mauerreste und ein nahezu intakter (achteckiger) Bergfried zu sehen, jedoch wurde fortan die Ruine als Steinbruch genutzt und bis auf wenige Reste (Torbau und Mauerring) abgetragen.
Im Jahr 1731 ging nach dem Tod des Grafen Albrecht Ernst II. der größte Teil der Ländereien der Linie Oettingen-Oettingen und somit auch Dorf und Schloss Alerheim an die Linie Oettingen-Wallerstein.
1931 verkauft Fürst Eugen von Oettingen-Wallerstein die Ruine an Friedrich Käufer, dessen Erben wiederum im Jahr 1979 an Georg Appl aus Wemding, welcher die Burgruine saniert hat und dessen Familie nunmehr das Schloss bewohnt.
Das Oberamt Alerheim
Die Grafen von Oettingen teilten schon in früher Zeit ihr Gebiet in Verwaltungsbezirke, sogenannte Ämter, ein. Das Amt Alerheim, das bereits um 1370 als solches belegt ist, umfasste Besitz und die Dorfgerichte in zahlreichen Orten der näheren Umgebung. Nach dem Verschwinden der letzten Edelfreien-Geschlechter (Lierheim, Wellwart, …) um 1400 kamen noch weitere Ortschaften hinzu – insgesamt mehr als zwanzig! Bedeutendster Ort im Amt war neben Alerheim lange Zeit Holzkirchen. Dort, im Markt, waren Pranger, Hochgericht (Galgen) und Hauptbühl (Richtstätte mit dem Richtblock). Das Amtsgefängnis befand sich jedoch in der Alerheimer Burg.
Das Amt selbst war von alters her ebenfalls in der Burg untergebracht. Im Jahr 1614 wurde es ins Dorf in das damals „neuerbaute Amts- und Pflegehaus“ (Hs.Nr. 85/86, heute Am Anger 4) verlegt, um ca. 1753 vom „alten Amtshaus“ hinauf in das „jüngere Amtshaus“ vor dem Schlosstor. Ein Amtspfleger und ein Schreiber führten das Amt, ab ca. 1680 kam noch ein Oberamtmann hinzu. Die einzelnen Dörfer hatten jeweils einen Amtsknecht, der regelmäßig Bericht zu erstatten hatte und verschiedene Dienste verrichten musste.
Einer der Amtspfleger war der Kammerrat Johann Philipp Klein. Dessen Sohn Johann Wilhelm Klein wurde am 11. April 1765 im Alerheimer Amtshaus geboren. Er war später als Pädagoge Direktor des Blinden-Instituts in Wien. Der „Blindenvater“ gilt heute als größer Sohn der Gemeinde Alerheim. Die örtliche Schule sowie eine Straße sind nach ihm benannt.
Die Schlacht bei Alerheim
Eine der verheerendsten und blutigsten Schlachten des 30jährigen Krieges dauerte nur einen Tag und kostete rund 8.000 Menschen das Leben:
Die Schlacht von Alerheim am 3. August 1645. Die kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Franz Freiherr von Mercy, der in Alerheim von einer Musketenkugel tödlich getroffen wurde, erlitten eine verheerende Niederlage gegen ein französisch-hessisch-weimarisches Heer.
Militärisch aber war diese Schlacht ein Pyrrhussieg, der keine Entscheidung brachte und auch politisch nichts bewegen konnte. Alle Opfer waren vergeblich — die Probleme blieben ungelöst; die Entscheidung war erneut aufgeschoben. Aus diesem Grunde wird die Schlacht bei Alerheim in den Geschichtsbüchern kaum erwähnt, obwohl sie eine der blutigsten des Dreißigjährigen Krieges war.
Für Alerheim war jener Tag eine Katastrophe und es dauerte Jahrzehnte, bis sich das Dorf von diesem Trauma erholen konnte.
Ein im Jahr 2008 entdecktes Massengrab der Schlacht löste ein bundesweites Medienecho aus.
Weiterführende Literatur:
Näheres zur Ortsgeschichte findet sich in der umfangreichen Ortschronik:
- Erhard, Bernhard: „Alerheim im Ries“, Gemeinde Alerheim, 2000
- Die Ereignisse der Schlacht von 1645 werden beschrieben in:
- Scheible, Karlheinz: „Die Schlacht von Alerheim“, Eigenverlag, 2004
- Familienforscher werden in folgendem Buch auf 532 Seiten fündig:
- Luff, Manfred: „Ortsfamilienbuch Alerheim 1634-1930“, Gemeinde Alerheim, 2013
- Alle Bücher sind bei der Gemeinde erhältlich.
